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Marketingstrategien

Wie kann man Urlauber für umwelt- und sozialverträgliche Reisen interessieren und gewinnen? Die Invent-Partner haben hierfür zwei ganz unterschiedliche Wege entwickelt.
Der erste Weg (siehe Bild): Existierende Reiseangebote werden optimiert - beispielsweise, indem Hotels umweltverträglicher wirtschaften, indem die Anreise soweit möglich mit der Bahn statt mit Auto oder Flugzeug erfolgt, indem Touristen am Urlaubsort in Kontakt mit Natur, Kultur und einheimischer Bevölkerung kommen. Diese Optimierungen sind kurzfristig umsetzbar und werden von Reiseveranstaltern, Hoteliers und Verkehrsunternehmen bereits praktiziert.
Allerdings muss eine derartige Optimierung von Urlaubsangeboten auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten sein. Urlauber, die bei der Buchung beispielsweise besonders auf den Preis achten, zeigen für Hotelanlagen mit hohen Umwelt- und Sozialstandards wenig Interesse. Solche Unterkünfte werden mit unnötigen Mehrkosten in Verbindung gebracht und daher nicht gebucht.
Hier bieten sich Optimierungen an, die der Reisende selbst gar nicht bemerkt oder die gar nicht explizit das Etikett "Umweltschutz" oder "Nachhaltigkeit" tragen. Fun- und Action-Urlauber z. B. legen großen Wert auf Sport und Ausflüge. Ein nachhaltiges Angebot für diese Gruppe würde also dafür Sorge tragen, dass Outdoor-Sportarten nicht in sensiblen Naturräumen stattfinden oder dass Aktivitäten vor Ort den Kontakt zwischen Tourist und einheimischer Bevölkerung intensivieren.

Nachhaltige Marketingstrategien im Massentourismus
Bild: Nachhaltige Marketingstrategien im Massentourismus

Der zweite Weg ist ein völlig anderer Ansatz: mehr Nachhaltigkeit durch Einflussnahme auf die Reiseentscheidung (als Transformationsstrategie bezeichnet, siehe Bild). Dahinter steckt die Idee, dass Ferien in Deutschland oder im näher gelegenen Ausland geringere ökologische Belastungen mit sich bringen. Wer z.B. im Wesentlichen preisgünstigen Strandurlaub sucht, findet den nicht nur in exotischen Ländern, sondern auch am nahen Mittelmeer. Und Familienurlauber wiederum sind möglicherweise auch für Ferien in Deutschland statt am Mittelmeer zu gewinnen, wenn das Angebot ein breites, abwechslungsreiches Programm für Eltern und Kinder verspricht. Ziel dieser Strategie: weniger Treibhausgasemissionen pro Reise und gleichzeitig eine bessere Auslastung der oftmals bereits vorhandenen touristischen Infrastruktur.
Über diesen Weg können zudem auch Touristen mit hohen Erwartungen an Qualität und Natur - dazu gehören Outdoor-Urlauber und anspruchsvolle Kulturreisende - für klassische Ziele des Massentourismus gewonnen werden. Veranstalter geben mit solchen Angeboten neue Impulse für die Destination, fördern Umwelt- und Naturschutz vor Ort und verbessern die sozialen Bedingungen.
Wie die beiden Strategien in die Praxis umgesetzt werden können, haben die INVENT-Partner für vier unterschiedliche Ziele des Massentourismus untersucht: für Mecklenburg-Vorpommern als Beispiel für Urlaub in Deutschland, für Norditalien beispielhaft für umweltverträgliche Reisen ins nahe Ausland, für Türkei für den klassischen Strandurlaub und für die Dominikanische Republik als beliebte Fernreisedestination.


IM DETAIL:

Die nachhaltigen Marketingstrategien wurden im Rahmen der INVENT-Veranstaltung "Nachhaltigkeit neu gedacht - Zielgruppenmarketing jenseits der Öko-Nische" auf der ITB 2005 vorgestellt. Die Präsentation steht als pdf-Download zur Verfügung. Weiterhin wurden die Strategien auf der INVENT-Konferenz "Beyond the Eco-Niche: Mainstreaming Sustainable Tourism" am 27. und 28. September 2005 in Brüssel präsentiert und mit Expertinnen und Experten diskutiert (siehe Rubrik "Downloads" im Hauptmenü).

Präsentation ITB 2005 (pdf-Download; 967 kB)